Der Redner
Obgleich der Beruf des freien Trauerredners eher Berufung als Beruf und kein Ausbildungsberuf ist, stellt er doch höchste Anforderungen an die Ausübenden hinsichtlich ihres Könnens, ihrer Sorgfalt, ihrer Diskretion und ihres Einfühlungsvermögens.
Trauerredner publizieren die letztgültigen Worte zum Leben eines Verstorbenen, auf das sich die Öffentlichkeit - und sei es eine nur "kleine" Öffentlichkeit von Familie und Freunden - grundsätzlich beruft.
Daher müssen Trauerredner den eigenen Umgang mit Tod und Sterben selbst reflektiert haben, kulturwissenschaftlich recherchieren, psychologisches Fachwissen anwenden, Menschen und Lebenswege vollkommen wertefrei verstehen können und auf die, von Trauernden geäußerten, Bedürfnisse vollumfänglich eingehen können.
Auch müssen sie sprachliche Möglichkeiten und Sprachbarrieren Trauernder und ihrer Gäste berücksichtigen und die Rede ganz auf die Bedürfnisse der Hinterbliebenen und deren Wünsche hin auszurichten, sie müssen die Balance zwischen Gefühl und Sachlichkeit finden.
So übertrage ich, die mir von den trauernden Angehörigen anvertrauten Informationen zur Biografie und den Lebenszusammenhängen des Verstorbenen, in verantwortungsvoller Weise in meine Ansprache und Ihre Feier.
Daß dabei keineswegs alles öffentlich werden darf, was in Vorgesprächen gesagt worden ist, ist selbstverständlich.
Sie entscheiden, was von den Wesenszügen und Lebensinhalten des Toten in der Öffentlichkeit erkennbar werden darf. Ihre diesbezüglichen Wünsche äußern Sie im Vorgespräch.